Aid Ragipovic
*2002 | Wien [AT]
DAS SELBST IN POLITISCHEN BEGRIFFEN
"Ich bin ein Maler, geboren und aufgewachsen in Wien.
Ich bin ein Einwanderer der zweiten Generation.
Ich bin ein bosnisch-muslimisches Kind.
Ich bin ein aufstrebender Künstler.
Ich bin ein bisexueller Transmann.
Ich bin 24 Jahre alt.
Ich bin Autodidakt.
Ich bin politisch.
Ich bin queer."
"Meine Arbeit gedeiht in der unbewussten Erschaffung und Unterdrückung von Körpern.
Daher finde ich mich eher in der Beschreibung „Ich bin Jemand“ oder „Etwas“. Als Maler arbeite ich mit den vereinten Symbolen des Organischen und des Industriellen, um sozial-politische Themen aus einer brutalen, frischen und persönlichen Perspektive zu behandeln."
WAS ICH ZU SAGEN VERSUCHE
"Meine Kunst konzentriert sich auf die zentralen Aspekte des Bewusstseins und Unterbewusstseins der Menschheit im aktuellen globalen Kontext.
Es geht um die Maschinen, die wir erschaffen, um unsere Macht über die Natur zu feiern – und um die Natur, die ihrerseits ihre Macht über uns als unsere Schöpferin behauptet.
Das Selbst steht zwischen der Verleugnung unseres Fleisches und der ständigen Bekräftigung unserer Dominanz über die organische Erde. Unsere verzweifelte Ablehnung unserer Herkunft prägt sowohl unsere Geschichte als auch unsere Zukunft.
Durch diese Gegenüberstellung der zwei bestimmenden Kräfte der postindustriellen menschlichen Identität setze ich mich mit verschiedenen soziopolitischen Themen auseinander, wie etwa körperlicher Autonomie, Freiheit, postkolonialem Kapitalismus und dem industriellen Komplex, dem arbeitenden Körper, einer Rückbesinnung auf Ursprünglichkeit und Natur sowie queeren/weiblichen Körpern in ständiger Selbsterschaffung – Selbstverstümmelung, Geschlechtsidentität und Sexualität.
Meine Kunst ist eine Konfrontation mit den Körpern, die wir erschaffen, und den Körpern, die wir verleugnen. Sie ist ein Geständnis des falschen Fortschritts, dessen Verfechter wir zu sein behaupten, und der tatsächlichen Zerstörung, die wir in unserem narzisstischen Streben nach dem idealen Fleisch als Hülle für das Selbst verursachen – dem undurchdringlichen, ewigen, kalten, mechanischen Körper unserer Träume."