Kondraty Hvatit


„I was drawing as long as I can remember myself. Carpet ornaments became nets that were invisibly present on every piece of paper where I place my subjects. Symmetry, balance of all the elements, unity of textures and colors became special characteristics of my works.”
[Kondraty Hvatit]

Das Ornamentale in Hvatits Werken rührt aus der Kindheit in Russland, in der Teppiche und die darin enthaltenen wiederkehrenden Muster eine zentrale Erinnerung darstellen. Hvatit war fasziniert von dem Netzwerk an Verbindungslinien, die in jedem Teppichmuster erkennbar werden und die Grundlage für den Aufbau ihrer Zeichnungen und der bildimmanenten Handlungen bilden.

Kondraty Hvatit wurde 1993 im russischen Ischewsk geboren. Seit früher Kindheit bildete sie sich künstlerisch weiter – vom Besuch eines Gymnasiums mit bildnerischem Schwerpunkt über Studien an der Leningrader Hochschule für Kultur und Kunst und der Staatlichen Akademie der Künste St. Petersburg. Anstatt Buchgrafik – ihrem eigentlichen Wunsch – studierte Hvatit schließlich Kunsthandwerk und Keramik an der State Polar Academy.

Die im angewandten Kunstbereich angesiedelte Studienrichtung mag erklären, weshalb Hvatits Zeichenstil Elemente aus der Chochloma-Malerei aufgreift. Dabei erweitert sie traditionelle Darstellungen wie Blumen, Zweige und Tiere um zeitgenössische Gegenstände des alltäglichen Bedarfs wie Teebeutel, Feuerzeuge, Rasierklingen, Zangen, Scheren und Ladekabel. Folkloristisch-dekorative Muster und Motive setzt Hvatit in einen aktuellen Kontext. Aus Fabel- und Mischwesen, Händen und Krallen, Totenköpfen und Kerzen entstehen mythologisch angehauchte narrative Prozesse.

Ihre Werke wirken wie aus einem Tuschefluss. Die Motive schälen sich aus schwarzem Hintergrund hervor oder werden in schwarz-weiße Linien - an Meereswellen oder Flüsse erinnernd - eingebettet.
Die technische Reduktion von meist schwarzer Tusche auf hellem Papier verstärkt das Gefühl der Dichotomie des Dargestellten: Leben und Tod, Heimat und Flucht, Freiheit und Fremdbestimmung, Bedrohung und Schutz.

Der Blick der Betrachtenden wird von den dargestellten Personen direkt erwidert. Trotz deren stilisierter Gesichter strahlen sie Lebenserfahrung und Charakter aus. Ihre Körper und Kleidung wirken neutral - eine Geschlechtszuschreibung verweigernd - wird die Frage nach Identität präsent.

“Once I wanted to make political drawings about my experience and the experience of other people who were discriminated like I was, about creatures of other species who suffered from people's intervention. It was no success. Now I understand that these topics are part of my art anyway, and my attempt to make them obvious and simple in order to make everyone understand, was spoiling both my works and my ideas.
My experience is a core thread that holds the whole ornament of the carpet.”
[Kondraty Hvatit]

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