Michaela Polacek

1972 - 2026 | Nachruf

 

2 Vergegnungsmenschen und ein Schaumensch hinter-zwischen Henkelzitrone oder verkopft u. haariges Dutthaar ge-U-hackelt und verwässert. So und ähnlich absurd betitelte sie ihre Zeichnungen. Michaela Polacek war Zeichnerin - und als solche war sie unfassbar talentiert. Wie anders ist die Faszination zu erklären, die sie mit ihrer Arbeit auf so viele unterschiedliche Fachleute wie Laien ausübt. Wie anders lässt sich ihr Wesen beschreiben - sie, die bis zu ihrem 30sten Lebensjahr kaum mit Kunst in Berührung kam und dennoch in der Lage war, aus dem Stand ein derart eindringliches künstlerisches Charisma zu entwickeln.

2002 begann sie damit im offenen Atelier in Gugging. Hier arbeitete sie zunächst an kleinformatigen, reduzierten aber hinreißend absurden Bildgeschichten. Mit der Eröffnung des Atelier 10 wechselte sie ihren Arbeitsplatz. Genau genommen war sie hier die erste Künstler*in. Ganz genau genommen zeichnete sie bereits im Atelier 10, als es noch Baustelle war.

Ab 2012 explodierte sie künstlerisch geradezu. Eine Sturm- und Drangphase folgte der nächsten. Ihre Formate wurden immer größer, ihre Technik immer komplexer. Die Reaktionen in der Kunstwelt blieben nicht aus. Kurator*innen stellten Werke aus und Sammler*innen kauften sie.
Michaelas ausgesprochener Wunsch, einmal in einem veritablen Museum gezeigt zu werden, erfüllte sich aber erst in diesem Jahr. Gleich doppelt. Gegenwärtig sind einige Großformate Teil der Ausstellung "Lebt und arbeitet in Wien" in der Kunsthalle im Museumsquartier - und ab November dieses Jahres werden Arbeiten im Museum Gugging zu sehen sein.

Michaela Polacek hinterlässt für uns menschlich eine schmerzliche Lücke - zu sehr ist ihr Wesen, ihr Werdegang mit dem des Atelier 10 verwachsen.
Aber vielleicht wird ausgerechnet in diesem Jahr der wertvollste Teil ihrer enormen künstlerischen Strahlkraft ersichtlich: Sie hat es geschafft, Fachleute aus immer noch voneinander getrennt behandelten Bereichen gleichermaßen für sich zu begeistern. Jene aus der zeitgenössischen Kunst und jene aus der Art Brut bzw. Outsider Art.

Was sagt es also über die Vernunft einer Grenzziehung aus, wenn sich beide Seiten so leidenschaftlich auf die eine Kunst einigen können?