Johannes Grammel


Johannes GRAMMEL (*1985, Korneuburg) studierte bei Carola DERTNIG auf der Akademie der bildenden Künste in Wien und schloss 2013 ab. In dieser Zeit oszilierte er zwischen den Bereichen Performance, Video, Fotografie sowie bildender Kunst und experimentierte an ihren Schnittstellen.
In den vergangenen Jahren konzentrierte er seine Aufmerksamkeit aber auf technische, formale und inhaltliche Details im Segment der Zeichnung. So bemerkte Grammel die ungewöhnlichen Beschaffenheit von Kopierstiften – einem Werkzeug aus dem Bürowesen früherer Tage – und befasst sich seit dem mit den eigentümlichen farblichen Wechselwirkungen zwischen Kopierstift, Ölkreiden und anderen Substanzen wie z.B. Haarspray.
Aus diesen stofflichen Versuchen heraus entstehen seit 2014 zahlreiche Zeichnungen, in denen Grammel die transparente, spröde und brüchige Erscheinung seiner Technik brillant mit seiner figurativ-abstrakten Motivwelt in Einklang zu bringen weiß. Neben Blättern mit reduzierter, violett-metallisch schimmernder Farblichkeit, arbeitet er an Serien von Zeichnungen mit glimmenden, tiefgelben Farbschichten, unterbrochen von violett-bröckelnde Oberflächen und zeitweise durchsetzt und attackiert von dunklen, scherben-, blitz-und dornartige Formationen. Grammel erzählt, dass er sich bereits als Kind für sog. Nachbilder interessierte, also für Formen, die sich nach dem Blick auf Licht- und Farbquellen automatisch auf der Retina bilden. Grammel spielte mit diesem flüchtige Material, in dem er durch die Bewegung der Augen die Nachbilder manipulierte und umgestaltete. Einige der abstrakten Formationen auf seinen Blättern erinnern ihn an diese Nachbilder.

Grammels Motive wechseln zwischen jenen hakigen, ungegenständlichen Organismen, die auch auf dem Papier irgendeinem gesteuerten Zufallssystem zu folgen scheinen. An anderer Stelle erscheinen unwirkliche Räume und Landschaften mit plötzlich aufpoppenden Menschengestalten, Alltagsfragmenten und den immer wieder seltsam Richtung Horizont gleitenden, plattformartigen Gebilden.
Für die Ausstellung „flickering“ erweiterte er den perspektivischen Raum, den er mit den trapezartigen Plattformen andeutet, holte sie aus den Zeichnungen und stellte sie als dreidimensionales Objekt nach.