Franziska FISCHER (1968, Wien)


Franziska Fischer versorgte sich mit Material aus den umliegenden Wäldern nahe des Böhmischen Praters. Dort suchte und fand sie Holz, Astwerk, Steine. Auf ihren Streifzügen durch die Umgebung sammelte sie auch Abfälle, Verpackungsmaterial, Kunststoffreste, Kleidungsstücke, Spielzeug, Elektrogeräte oder anderen Hausrat wie Möbelteile, Wanduhren, Wäscheständer, Radkappen, Tretroller, u.v.a. . Fischer überprüfte die Fundstücke auf die Qualitäten ihrer Teilbarkeit, zerpflückte zersägte und sezierte sie. Jenseits gängiger künstlerisch-technischer Konventionen, verarbeitete sie die Fragmente, indem sie sie lose miteinander verknüpfte, verklebte oder mit Schnüren verband. Stückweise schuf sie Objekte, zerbrechlich, sperrig, spröde und kaum über einen längeren Zeitraum haltbar, Zeugnisse einer radikalen Aneignung durch Umstrukturierung von Versatzstücken ihrer Umwelt. Vielleicht auch ein alchemistischer Akt, da Fischer der gewöhnlichen Substanz dieser Alltagsgegenstände durch die Transformation immer einen Zauber, einer Veredelung zuführen wollte.

Dabei erschließt sich Fischers Werk erst in ihrer raumgreifenden Gesamtheit. Die einzelnen Objekte verwendete sie wie Bauteile, die sie mit der Zeit um ihren Arbeitsplatz im Atelier anhäufte, aneinanderreihte oder montierte, bis sie ihre Eigenständigkeit und Konturen verloren hatten. Von 2012 bis 2020 schuf sie ein Environment, dass sich in diesem Zeitraum in einem stetem Wandel von Erneuerung und Entsorgung befand.

Fischer, die erst mit ihrem Einstieg ins ATELIER 10 im Alter von 44 Jahren mit ihrer freien künstlerischen Arbeit begonnen hatte, musste sich aus gesundheitlichen Gründen von ihrer Tätigkeit zurückziehen.

 

» FILM: Ausstellungsaufbau / "Fischer und Schlifke", 2015, ATELIER 10