Franz Nigl


In frühen Jahren wandte sich Franz Nigl zunächst der Malerei zu und war als Sänger und Perkussionist Mitglied in verschiedenen musikalischen Formationen. Neben eigenen musikalischen Produktionen folgten in den 1990ern mit einem befreundeten Künstler experimentelle, performative Aktionen, für die er sich atmosphärisch aufgeladene Kulissen wie Flaktürme, Gasometer, verlassene Industrieobjekte und einen Nazistollen in Melk aussuchte. In diesen Umgebungen setzte er brennende Gegenstände in Szene, um sie letztlich als Motive für Foto- und Filmarbeiten zu verarbeiten. Es entstanden düstere und mystisch wirkende Fotocollagen sowie filmische Werke, getragen von schweren Soundmontagen.
Seine ersten Tonfiguren entstanden Ende der 1980er Jahre. Als Nigl 2013 das Raumangebot des Atelier 10 zu nutzen begann, entwickelte er das Erscheinungsbild seiner Figuren sukzessive weiter.
Ohne Glasur und ihren Effekten suchte er nach einer Reduktion der klassischen Mittel. Sein Wechsel zu einem stärker schamottierten Terra-Nigra-Ton, der seinen Gestalten nach dem Brennvorgang das dunkle, archaisch-geisterhafte und ungeschminkte Wesen verleiht, bewirkte die gewünschte Reduktion.
Zu Beginn lag der Fokus noch klassisch auf dem Erscheinungsbild jedes einzelnen Objektes. Mit der wachsenden Stückzahl an Figuren, die zusehends seinen Arbeitsplatz einnahmen und regelrecht bevölkerten, kam es gleichsam zu einer Veränderung der Wahrnehmung seines künstlerischen Sujets. Unter dem Eindruck des `Belagerungszustandes´ durch eine scheinbar invasive Population von Gestalten mit unklarem Evolutionsgrad und rätselhafter Provenienz, verlagerte sich der Werkcharakter vom Einzelobjekt zur Gruppe.

Für Ausstellungen im Atelier 10 und anderenorts planten der Künstler und die Kurator*innen bisher Settings mit 200 - 600 Figuren. Es zeigte sich, dass die üblich-neutrale Form der Podest-Präsentation keine befriedigende Lösung war, um sich dem Wirkungsziel seiner Arbeit zu nähern. Vielmehr wurde nach wechselnden Umgebungen, nach Kontextvarianten wie Stiegenhäuser, Klinik-Räume oder zoologischen Wunderkammervitrinen gesucht. Das erste „Bühnen-Set“ für `Nigls Crowd´ wurde als Artefakt geplant und entstand 2018 für eine Ausstellung im Atelier 10. Um den Eindruck einer zwischen-realen, traumartigen Sequenz zu erreichen, wurde eine Wohnstube aufgebaut und gänzlich in gedämpftem Weiß eingefärbt. Die Anwesenheit der 416 Figuren wollte Franz Nigl mit keinem symbolgesteuerten Erklärungsmuster begründen, sondern, wie in einem David-Lynch-Film, es bei den aufkommenden Fragen und Irritationen belassen.

 

›› FILM: Ausstellungsaufbau / "verküsst verwässert dutiert", 2018, Atelier 10